
Perfektionismus als versteckter Stressfaktor
Du hast heute Morgen das Frühstück gemacht, die Wäsche angestellt, das Kind angezogen und gefüttert – und trotzdem hast du das Gefühl, nicht alles richtig gemacht zu haben?
Vielleicht passten Body und Hose nicht so gut zusammen. Vielleicht hättest du statt Brei aus dem Gläschen lieber frischen kochen sollen. Vielleicht warst du zu ungeduldig, als du zum dritten Mal versucht hast, dein Kind zu füttern, aber alles auf dem Boden landete.
Kommt dir das bekannt vor? Dann bist du hier genau richtig.
Der unsichtbare Maßstab
Perfektionismus klingt erstmal nach einer Stärke. Und im Job – da hat er uns vielleicht sogar weit gebracht. Strukturiert, zuverlässig, immer einen Schritt voraus.
Aber als Mama? Da wird er still und leise zum größten Energieräuber, den du hast.
Perfektionismus flüstert dir nämlich den ganzen Tag zu: „Das hätte besser sein können.",
„Andere Mütter würden das nicht vergessen." oder auch „Du hättest mehr Geduld haben sollen."
Und das Gemeine daran: Du merkst es oft gar nicht und glaubst es auch nicht. Weil es sich so normal anfühlt. Weil du es nie anders kanntest.
Mein Spielbogen-Moment
Ich erinnere mich noch genau, wie ich damals stundenlang nach dem „richtigen" Spielbogen für mein Baby recherchiert habe. Welche Marke? Welche Farben – knallig oder neutral? Sind die Farben schädlich wenn Baby alles in den Mund nimmt? Wäre gebraucht nicht nachhaltiger? Ich habe viel meiner Zeit investiert. Für einen Spielbogen.
Im Nachhinein könnte ich lachen – wenn es nicht so treffend wäre. Denn hinter dieser absurden Recherche steckte keine Besessenheit. Da steckte Angst. Die Angst, meinem Kind zu schaden. Ihm nicht die beste Förderung zu ermöglichen. Als Mutter zu versagen.
Perfektionismus bedeutet, dass Angst als Produktivität getarnt ist.
Was Perfektionismus mit dir macht
Das Problem ist nicht, dass du Dinge gut machen willst. Das ist völlig verständlich – du liebst dein Kind. Das Problem ist, dass der Perfektionismus dir nie sagt: „Gut gemacht. Das reicht."
Er kostet dich unglaublich viel Zeit und Energie – für Entscheidungen, die am Ende kaum einen Unterschied machen. Spielbogen, Brei, Body-Marke. Du forschst, vergleichst, zweifelst. Und am Ende bleibt trotzdem dieses leise Unbehagen.
Er erzeugt Dauerstress – weil du ständig einem Ideal hinterherläufst, das im Mama-Alltag einfach nicht haltbar ist. Geduldig, liebevoll, organisiert, präsent – alles gleichzeitig, jeden Tag.
Er macht dich unzufrieden mit dir selbst – auch dann, wenn du objektiv betrachtet einen verdammt guten Job machst. Weil der Maßstab immer ein bisschen höher liegt als das, was du gerade leistest.
Die Frage, die alles verändert
Wenn du das nächste Mal merkst, dass du dich in einer Entscheidung oder einer Aufgabe verlierst, stell dir die Frage: „Was wäre hier gut genug?" Nicht perfekt. Nicht optimal. Sondern wirklich "gut genug".
Ist es schlimm, wenn das Badezimmer sauber ist, aber die Armaturen nicht Hochglanz leuchten? Ist die Wahl eines Spielbogens wirklich entscheidend für die Entwicklung deines Kindes? Muss der Brei selbst gekocht sein, oder reicht es, wenn dein Kind satt und zufrieden ist?
Die meisten Antworten weißt du bereits. Du erlaubst dir nur nicht, ihnen zu glauben.
"Done is better than perfect"
Das ist mein Leitsatz geworden. Die Wäsche ist gefaltet – auch wenn sie nicht gebügelt ist. Das Mittagessen ist auf dem Tisch – auch wenn es aus der Tiefkühltruhe kommt. Ich war heute für mein Kind – auch wenn ich nicht immer geduldig war. Das ist das, was am Ende wirklich zählt.
Versuch es doch auch Mal: Beende heute bewusst eine Sache bei 80 Prozent. Nicht 100, nicht perfekt. Einfach gut genug. Und dann sag dir innerlich: „Das reicht." Nicht weil du aufgibst. Sondern weil du dir erlaubst, eine echte Mama zu sein – und keine perfekte Instagram-Mutti.
Deine "Mama ohne Druck" Vera
